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Satzlehre

Den lateinischen AcI verstehen: erkennen, bilden und übersetzen

Der AcI verbindet ein Akkusativsubjekt mit einem Infinitiv. Im Deutschen wird diese Konstruktion häufig als dass-Satz wiedergegeben. Du lernst, den Satzkern zu finden, die Zeitbeziehung zu bestimmen und einen einfachen Aussagesatz Schritt für Schritt umzubauen. [1] [2]

Welcher Akkusativ ist das Subjekt des Infinitivs?

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Was Accusativus cum Infinitivo bedeutet

Die Bezeichnung bedeutet „Akkusativ mit Infinitiv“. Der Akkusativ ist innerhalb der Konstruktion das logische Subjekt des Infinitivs. Ein übergeordnetes Verb führt die Aussage ein, beispielsweise ein Verb des Sagens, Wahrnehmens oder Denkens.

Marcus dicit Iuliam venire. bedeutet „Marcus sagt, dass Julia kommt“. Marcus ist das Subjekt von dicit, Iuliam das Subjekt der Infinitivgruppe. Die beiden Satzebenen müssen getrennt untersucht werden.

Ein AcI hilft, eine Aussage als Inhalt des Denkens, Wissens oder Wahrnehmens wiederzugeben, ohne einen finiten lateinischen dass-Satz zu bilden. Du begegnest ihm deshalb häufig in erzählenden Texten. Im Deutschen machst du die eingebettete Aussage meist durch „dass“ sichtbar. Im Lateinischen erfüllen Akkusativ und Infinitiv gemeinsam diese Aufgabe. Iuliam sieht zwar wie ein Objekt aus, bezeichnet in dieser Gruppe aber die Person, die kommt. Das ist der entscheidende Unterschied zu einem gewöhnlichen Objekt des Hauptverbs.

Die Konstruktion im Satz erkennen

Suche zuerst das übergeordnete Prädikat. Prüfe dann, ob ein Infinitiv und ein sinnvoll dazugehöriges Akkusativsubjekt vorhanden sind. Die Wörter müssen nicht direkt nebeneinander stehen. Vertraue nicht allein auf die erste gefundene Akkusativendung.

Magister dicit puerum librum legere. enthält zwei Akkusative. Puerum bezeichnet den lesenden Jungen, librum das gelesene Buch. Der Satz bedeutet „Der Lehrer sagt, dass der Junge ein Buch liest“. Bedeutung und Verbanschlüsse klären die Rollen.

Betrachte die Gruppe puerum librum legere zunächst wie einen kleinen eigenen Satz. Der Infinitiv legere bedeutet „lesen“ und kann ein gelesenes Objekt besitzen. Zwischen puerum und librum musst du also unterscheiden: Der Junge kann handeln, das Buch wird gelesen. Die Formen allein liefern hier noch keine vollständige Entscheidung, weil beide Akkusativ Singular sind. Prüfe Wortbedeutung und Verbanschluss. Ein Infinitiv wie venire benötigt dagegen kein direktes Objekt, wodurch die Zuordnung in unserem Einstiegsbeispiel einfacher ist.

Aus einer Aussage einen AcI bilden

Beginne mit Iulia venit., „Julia kommt“. Nach einem einleitenden Marcus dicit wird das bisherige Subjekt in den Akkusativ gesetzt. Die finite Verbform wird zum passenden Infinitiv. Es entsteht kein zusätzliches lateinisches Wort für „dass“.

Der vollständige Satz lautet Marcus dicit Iuliam venire. Ergänzende Adjektive müssen sich an ihre neue Akkusativform anpassen. Bei einem Plural ändern sich außerdem die nominalen Formen, nicht aber die Person des Infinitivs, denn Infinitive haben keine Personenendung.

Ein Beispiel mit einem prädikativen Adjektiv macht die Anpassung sichtbar: Aus Puella laeta est. und Marcus dicit entsteht Marcus dicit puellam laetam esse. Das Subjekt puella wird zu puellam, die passende Adjektivform lautet laetam und aus est wird esse. Im Deutschen heißt das „Marcus sagt, dass das Mädchen fröhlich ist“. Du änderst also nicht jedes Wort, sondern gezielt die Formen, deren Funktion sich in der eingebetteten Konstruktion verändert. Weitere Objekte und Angaben können erhalten bleiben.

SchrittForm
AusgangssubjektIulia
AkkusativsubjektIuliam
Finite Ausgangsformvenit
Infinitiv für Gleichzeitigkeitvenire

Gleichzeitigkeit, Vorzeitigkeit und Nachzeitigkeit

Die Zeitform des Infinitivs bezeichnet vor allem ein Verhältnis zum übergeordneten Verb. Der Präsensinfinitiv ist gleichzeitig, der Perfektinfinitiv vorzeitig und der Futurinfinitiv nachzeitig. „Präsens“ bedeutet hier deshalb nicht zwingend Gegenwart im Deutschen.

Die Tabelle verwendet venire und Julia als Akkusativsubjekt. Im Futurinfinitiv passt sich das Partizip an dieses feminine Singularsubjekt an. Bei einem maskulinen Subjekt wäre beispielsweise venturum esse möglich.

Denke an zwei Zeitpunkte: den des Sagens und den der eingebetteten Handlung. Venire ordnet das Kommen gleichzeitig ein, venisse davor und venturam esse danach. Das Partizip im Futurinfinitiv gehört zum Akkusativsubjekt, deshalb steht bei Julia die feminine Form venturam. Bei mehreren Jungen wäre es beispielsweise venturos esse. Ein Zeitstrahl im Heft kann helfen: Markiere zuerst das Hauptverb und trage die zweite Handlung relativ dazu ein, bevor du eine deutsche oder englische Zeitform auswählst.

VerhältnisInfinitivgruppeÜbersetzung nach „er sagt“
GleichzeitigIuliam veniredass Julia kommt
VorzeitigIuliam venissedass Julia gekommen ist
NachzeitigIuliam venturam essedass Julia kommen wird

Ein vergangenes Hauptverb verändert die Übersetzung

Marcus dixit Iuliam venire. bedeutet „Marcus sagte, dass Julia kam“. Das Kommen ist gleichzeitig zum vergangenen Sagen. Der lateinische Präsensinfinitiv wird daher in der deutschen Wiedergabe nicht mechanisch zum Präsens.

Marcus dixit Iuliam venisse. bedeutet „Marcus sagte, dass Julia gekommen war“. Die Handlung des Infinitivs liegt vor dem Sagen. Bestimme zuerst den Zeitpunkt des Hauptverbs und dann die Beziehung der Infinitivhandlung dazu.

Der Wechsel von dicit zu dixit verschiebt den Bezugspunkt, nicht automatisch die Form des Infinitivs. Bei Marcus dixit Iuliam venturam esse. liegt Julias Kommen nach dem vergangenen Sagen. Eine passende Wiedergabe ist „Marcus sagte, dass Julia kommen werde“ oder, je nach Zusammenhang, „kommen würde“. Die Wahl des deutschen Modus folgt zusätzlich den Regeln der indirekten Rede. Verwechsle diese Übersetzungsentscheidung nicht mit dem lateinischen Zeitverhältnis. Entscheidend bleibt zuerst, ob die Handlung gleichzeitig, vorher oder nachher liegt.

Passivformen und rückbezügliches se

Ein AcI kann auch passiv sein. Magister dicit Iuliam laudari. bedeutet „Der Lehrer sagt, dass Julia gelobt wird“. Iuliam laudatam esse bezeichnet dagegen ein vorangegangenes Gelobtwerden. Das Partizip stimmt mit dem Akkusativsubjekt überein.

Das Pronomen se kann sich in der indirekten Aussage auf das Subjekt des übergeordneten Verbs zurückbeziehen: Marcus dicit se laborare. bedeutet „Marcus sagt, dass er selbst arbeitet“. Ein nicht rückbezügliches Pronomen kann dagegen eine andere Person meinen.

Vergleiche Iuliam laudare mit Iuliam laudari. Im ersten Fall lobt Julia, im zweiten wird Julia gelobt. Die Endung des Infinitivs verändert also, wer handelt und wer betroffen ist. Bei Iuliam laudatam esse zeigen Partizip und esse ein früheres Gelobtwerden. Für das Pronomen hilft ein Kontrast: Marcus dicit se venire. bezieht die eingebettete Person auf Marcus. Marcus dicit eum venire. kann dagegen einen anderen männlichen Menschen meinen. Bestimme den Bezug ausdrücklich, statt beide Formen nur pauschal mit „er“ zu übersetzen.

Eine Übersetzung systematisch kontrollieren

Markiere Hauptverb, Akkusativsubjekt und Infinitiv. Bestimme die weiteren Ergänzungen innerhalb der Infinitivgruppe. Übertrage anschließend die Aussage in einen deutschen dass-Satz und prüfe, wer handelt und wann die Handlung stattfindet.

Nicht jeder Akkusativ neben einem Infinitiv bildet automatisch einen AcI. Ein Verb kann auch eine andere Infinitivkonstruktion verlangen. Prüfe den übergeordneten Ausdruck, die Bedeutung und gegebenenfalls den Wörterbucheintrag.

Prüfe eine fertige Übersetzung rückwärts. In „Der Lehrer sagt, dass die Jungen die Bücher gelesen haben“ ist der Lehrer das Hauptsatzsubjekt, die Jungen sind das Subjekt der eingebetteten Handlung und die Bücher deren Objekt. Dazu passt Magister dicit pueros libros legisse. Der Perfektinfinitiv legisse erklärt das frühere Lesen. Als Kontrollliste genügen vier konkrete Fragen: Wer sagt etwas, wer handelt in der Aussage, welche Ergänzungen gehören dazu und welches Zeitverhältnis liegt vor? So findest du Rollenfehler und Zeitfehler getrennt.

Diese AcI-Fehler lassen sich gezielt prüfen

  • Das Akkusativsubjekt als Objekt wiedergeben: Marcus dicit Iuliam venire. heißt „Marcus sagt, dass Julia kommt“, nicht „Marcus sagt Julia“.
  • Jeden Akkusativ für das AcI-Subjekt halten: In puerum librum legere liest der Junge das Buch. Librum bleibt ein Objekt innerhalb der Infinitivgruppe.
  • Den Präsensinfinitiv immer gegenwärtig übersetzen: Dixit Iuliam venire. bezieht das Kommen gleichzeitig auf das vergangene Sagen. Bestimme zuerst den Hauptverbzeitpunkt.
  • Prädikative Wörter nicht anpassen: Aus Puella laeta est. wird im AcI puellam laetam esse, nicht puellam laeta esse.
  • Aktiv und Passiv beim Infinitiv verwechseln: Laudare bedeutet „loben“, laudari „gelobt werden“. Der Unterschied ändert die Rolle des AcI-Subjekts.
  • Se und eum ohne Bezugsprüfung gleichsetzen: In Marcus dicit se venire. verweist se auf Marcus. Eum kann eine andere männliche Person bezeichnen.
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Aufgabe 1 von 3: Wähle eine Antwort aus und klicke dann auf Überprüfen.

Welche Rolle hat Iuliam in Marcus dicit Iuliam venire?

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Satzanalyse verbindet Kasus, Zeitverhältnisse und indirekte Aussagen.

Die nötigen Endungen wiederholst du mit den lateinischen Fällen. Der Vergleich mit der indirekten Rede im Englischen verdeutlicht, dass Sprachen fremde Aussagen unterschiedlich einbetten. Ein Lernplan hilft, Formenbildung und Satzanalyse abwechselnd zu üben.

Häufige Fragen

Antworten auf typische Fragen zu Regeln, Beispielen und Grenzen.

Accusativus cum Infinitivo, also Akkusativ mit Infinitiv. Die Konstruktion enthält eine eigene logische Subjekt-Prädikat-Beziehung.

Nicht unbedingt. Die Wortstellung kann variieren. Bestimme die grammatischen Rollen statt nur benachbarte Wörter zu verbinden.

Ja. Neben dem Akkusativsubjekt kann ein Verb ein Akkusativobjekt haben. Der Inhalt und die Verbanschlüsse unterscheiden die Funktionen.

Als gleichzeitig zur vergangenen Haupthandlung, beispielsweise „sagte, dass sie kam“. Die passende deutsche Form richtet sich nach dem Zusammenhang.

Im einfachen AcI nein. Die Verbindung wird durch Akkusativ und Infinitiv ausgedrückt. Andere Nebensatzkonstruktionen verwenden andere Muster.

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Quellen

  1. Dickinson College: Accusative and infinitive, zuletzt abgerufen am 14. Oktober 2026.
  2. Dickinson College: Tenses of the infinitive in indirect discourse, zuletzt abgerufen am 14. Oktober 2026.
  3. Ohio State University: Infinitive in indirect discourse, zuletzt abgerufen am 14. Oktober 2026.

Redaktionell erstellt von der AvisQnect-Redaktion. Zuletzt redaktionell geprüft und aktualisiert am 14. Oktober 2026.